Raucherwahnsinn!
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Pseudowissenschaft am Anschlag: Das "Netzwerk Rauchen"und sein Pamphlet "Heiße Luft"
von Peter Rachow
Nachfolgend
soll exemplarisch und in kompakter Form beleuchtet werden, welche
grotesken intellektuellen Klimmzüge eine Nikotinikerorganisation
wie das ominöse "Netzwerk Rauchen e. V.", das sich um den Bonner
Provinzpolitiker Christoph Lövenich geschart hat, unternehmen
muss, um eine allgemein bekannte Gefahr wie die des Passivrauchens und
seiner gesundheitlichen Auswirkungen auf Nichtraucher zu verharmlosen
und herunterzuspielen.
Der Zweck solcher ebenso sinnlosen wie
verzweifelten Aktionen ist letztlich so einfach strukturiert wie die
Macher dieser Pro-Rauchen-Publikation. Es sollen die völlig zu Recht
eingeführten Rauchverbote in der Öffentlichkeit (insbesondere
jene in der Gastronomie) angegriffen
werden um die "verrauchte Gemütlichkeit" (O-Ton dieses
"Netzwerkes") wieder herzustellen.
Wir
untersuchen nachfolgend exemplarisch den unlängst von dieser
Rauchertruppe, die sich tatsächlich rühmt, "objektive
Wissenschaft" betreiben zu wollen, veröffentlichten Text
"Heiße Luft".
http://www.netzwerk-rauchen.de/documents/Heisse_Luft_fin.pdf
Dieser
Text benutzt einige sehr einfache Strategien, um "herauszuarbeiten",
dass das gesundheitliche Problem des Passivrauchens angeblich gar nicht
existiere, die mittlerweile eingeführten Rauchverbote daher
aufgehoben gehörten und man den Verfassern und ihren ebenso
drogenabhängigen Kollegen und Mitstreitern bitteschön wieder
den zeitlich und örtlich unbeschränkten Konsum ihrer
gefährlichen Drogen ermöglichen möge.
Diese
Strategien sind zusammengefasst i. W. die folgenden:
1.
Fokussieren auf ein Randproblem
2.
Verharmlosen und Relativieren
3.
Bewusste Fehlinterpretation von Aussagen
Zu den
Einzelheiten...
1.
Fokussieren auf ein Randproblem
Der
vorliegende Text des "Netzwerk Rauchen" versucht zu suggerieren, dass das Hauptproblem bei der
Passivrauchexposition generell ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko beim
Nichtraucher sei. Diese Strategie verfolgt mehrere Ziele.
Zum
ersten werden die wirklich relevanten und gravierenden Folgen der
Passivrauchexposition,
die viele Nichtraucher ad hoc spüren, wenn sie einen verqualmten
Raum betreten, wie z. B. akute Reizungen der Schleimhäute des
oberen Respirationstraktes wie im Bereich des Nasen-Rachenbereich, des
Kehlkopf und der Luftröhre sowie der Bindehaut des
Auges, an den
Rand gedrängt. Auch die allfälligen Kopfschmerzen, über
die viele Passivrauchexponierte klagen und die zum Teil auf den CO- und
CO2-Überhang in verrauchter Umgebungsluft zurückzuführen
sind, werden ignoriert. Ebenso werden die negativen Auswirkungen auf
die momentane Herzleistung des Passivrauchenden, die verminderte
Perfusionsrate (Blutflussmenge pro Zeiteinheit), das erhöhte
Risiko für Asthma broinchiale bei Kindern etc. entweder gar nicht oder nur am
Rande erwähnt. Stattdessen wird das viel kleinere Risiko eines
Lungenkarzinoms zum alleinigen Betrachtungsgegenstand gemacht. Dass
dieses Risiko beim dem Passivrauch exponierten Nichtraucher
naturgemäß relativ klein ist, erleichtert den Machern dieses
schlecht und irreführend geschriebenen Pamphletes die Arbeit
natürlich ungemein.
Der
zweite Vorteil dieser Strategie ist, das man nun evidente wissenschaftliche aber unliebsame
Daten so darstellen kann, als ob man sie als völlig aussagelos
betrachten könnte, da ein nachweisbarer Kausalzusammenhang
zwischen einer erhöhten Passivrauchaufnahme und einer sich mit
einer langen Latenzzeit entwickelnden Krankheit wie dem Lungenkrebs
naturgemäß relativ schwach sein muss weil die statistische
Aufarbeitung von Fallstudien mit vielen Störquellen (lange
Latenzzeit, geringe Verlässlichkeit beim Erfassen von
Umgebungsvariablen wie Stärke und Dauer der Passivrauchexposition
etc.) zu kämpfen hat.
Um die
statistische Signifikanz der Ergebnsse zu verbessern, wären daher
prospektive (auf die Zukunft gerichtete) Untersuchungen vorzuziehen.
Des Weiteren ist es aber sicher schwierig, eine eher seltene Krankheit
wie den Lungenkrebs des Nichtrauchers prospektiv durch Kohortenstudien
zu erfassen, da man hier eine sehr große Anzahl von
Studienteilnehmern sehr lange beobachten (teilweise mehrere Jahre oder
Jahrzehnte) müsste, was schlicht in vielen Fällen an den
fehlenden finanziellen Ressourcen scheitern wird.
Aufgrund
der Tatsache, dass das Lebenszeitrisiko eine Nichtrauchers an
Lungenkrebs zu erkranken im Bereich von 4 zu 1000 liegt, bleibt auch die
Zahl der errechneten durch Passivrauch erkrankten nichtrauchenden
Lungenkrebspatienten naturgemäß klein: Man geht in der
Wissenschaft insgesamt davon aus, dass in Deutschland im Laufe eines
Jahres ca. 200 Menschen an passivrauchbedingtem Lungenkrebs erkranken
und sterben, was in der Tat eine sehr kleine Zahl ist, wenn man sie mit
den 40.000 aktiven Rauchern vergleicht, die jedes Jahr diesem Leiden
erliegen.
Zusammenfassend
ist zu sagen, dass der durch Passivrauchexposition induzierte
Lungenkrebs des Nichtrauchers eine eher geringe statistische Relevanz in der
gesamten Passivrauchproblematik einnimmt. Nichtsdestotrotz wird er hier
in den Mittelpunkt gerückt umd von wahren Problemen beim
Passivrauchen abzulenken, der akuten Schädigung im Moment des
Kontaktes mit dem Rauch.
2.
Verharmlosung und Relativierung
Das
Problem des Passivrauchens wird zumindest bei unwissenschaftlicher Betrachtung "kleiner", wenn man es
anderen Problemen gegenüberstellt. Und das an sich statistisch gering
relevante Problem des Lungenkrebses beim Passivrauchen wird in der Sicht der Verharmloser noch
vernachlässigbarer, wenn man andere konkrete Risiken dagegen
stellt. Dass ein derartiges Vorgehen natürlich unsinnig ist,
erschließt sich den Machern des
vorgelegten Textes nicht so ohne Weiteres.
Kann
man eigentlich Risiken vergleichen und ist es sinnvoll, Relationen aus Risiken zu bilden?
Wer unter Passivrauch leidet, dem bringt es
nichts zu wissen, dass er durch die Aufnahme von 12 Hotdogs im Monat
sein Leukämierisko um fast den Faktor 10 steigern könnte (S.
9), dass es also möglicherweise eine Relation von Hotdogs pro
Monat und dem Risiko für die seltene Erkrankung "Leukämie "
geben soll. Diese Art von "Wissen" ist völlig irrelevant für
Personen, die unter Hustenattacken leiden, wenn sie einen verrauchten
Raum betreten. Weiterhin bleibt natürlich im Dunkeln woher die
Autoren diese Zahlen beziehen. Und so sind diese Seiten des ubekannten Autors vom "Netzwerk Rauchen" voller
derartiger unwissenschaftlicher Vergleiche dieser hochgradig abstrusen Art:
"Nun, offensichtlich sollten übergewichtige Frauen
anfangen zu rauchen, denn das vermindert
ihr Risiko, vorzeitig zu sterben, und Nichtraucher sollten auf gar
keinen Fall Vollmilch trinken,
das ist rund 6-mal gefährlicher, als mit einem Raucher
zusammenzuleben. Noch gefährlicher ist
das Tragen von BHs, denn das zusätzliche Risiko für
Brustkrebs entspricht dem von aktiven
Rauchern für Lungenkrebs ..."
Schon
alleine die letzte Aussage ist vollkommen aus der Luft gegriffen. Das
Lebenzeitrisiko für eine Frau an einem Mamma-Ca. zu erkranken
beträgt in Deutschland 1:10. Das Risiko daran zu versterben
ungefähr 1:2. Somit stirbt jede 20. Frau im Schnitt an
Brustkrebs (5%). Das Risiko für einen starken Raucher an einem
Lungencarcinom zu erkranken beträgt dagegen ca. 1:5, die
Wahrscheinlichkeiit daran zu sterben ist 95% (0,95). Das Risko für
eine starken Raucher im Laufe seines Lebens an Lungenkrebs zu sterben beträgt folglich 19%.
Wie
wenig diese Autoren auch von den elementarsten stochastischen
Zusammenhängen verstehen, macht übrigens der erste Satz des
Zitates deutlich: Dass man ein anderes Risiko eingeht (Rauchen) ergibt
nicht die Verminderung eines bereits bestehenden Risikos (Sterben durch
Übergwicht). Im Gegenteil: Es kommt zu einer signifikanten
Erhöhung des Gesamtrisikos durch Summierung von Einzelrisiken.
Aber dieser eigentlich von jedem Grundschüler erfassbare
Unterschied zwischen Addition und Subtraktion scheint den Autoren
verborgen zu sein.
Fazit:
Alleine dadurch, dass man das passivrauchbedingte Risiko eines
Lungen-Ca. in Relation mit anderen Risiken setzt, verharmlost ersteres
schon ganz massiv.
Eine
weitere Veharmlosungstratgie ist die des Anzweifelns der statistischen
Relevanz der ermittelten Daten. So wird mal eben einfach postuliert,
dass man unterhalb eines bestimmten relativen Risikos
(Risikoerhöhung- bzw. verminderung) koinzidierend mit einem
bestimmten Vertrauensintervall keine statistische Signifikanz erwarten
könne (S. 10). Das mag zwar nicht unbedingt falsch sein, trifft
sich aber sehr gut mit dem bereits erwähnten schwachen
Zusammenhang von Passivrauchexpostion und der Inzidenz
(Auftretenshäufigkeit) des Lungenkrebses. Man sucht also ein
Problem, das eigentlich nur sehr wenig Relevanz hat (i. e. ein
Randproblem) und interpretiert die Daten zusätzlich entsprechend
großzügig.
Auch
die Aussage, beim Verbrennen von Tabak entstünden die gleichen
Abgase wie bei allen Verbrennungsprozessen auch ist natürlich
nicht mehr als eine Erheiterung des Lesers. "Warum", so möchte man
fragen, "leiten dann Menschen nicht ihre Schornsteine in die Wohnung
zurück?", "Warum wird bei einem Auto das Auspuffrohr nicht direkt
mit dem Innenraum verbunden? Man könnte dadurch doch (besonders
bei Dieselfahrzeugen) so eine schöne 'verrauchte
Gemütlichkeit' im Fahrerraum erzeugen!" Ganz abgesehen
davon, dass Qualität und Quantität der Verbrennungsprodukte
bei Zigaretten und Feuerungsanlagen bzw. Wärmekraftmaschinen
vollkommen unterschiedlich sind, da die Paramater unter denen die
Verbrennungen jeweils stattfinden, überhaupt nicht vergleichbar
sind.
3.
Bewusste Fehlinterpretation von Aussagen
Die
absichtsvoll herbeigeführte Fehlinterpretation
von Aussagen zum Zwecke der Desinformation ist ebenfalls anhand des Textes sehr gut herauszuarbeiten.
Ein paar Beispiele sollen nun folgen. Im Laufe des Textes werden die
Aussagen verschiedener Studien zur Passivrauchexposition und dem
Auftreten eines Lungen-Ca. sehr großzügig umgedeutet (S.14).
So kann
man in einem WHO/IARC-Text lesen: " Die Daten europäischer
Studien über eine Assoziation zwischen Passivrauch in der Kindheit
und Lungenkrebs sind uneinheitlich. ". Daraus wird nun
plötzlich in der Lesart der Nikotiniker "Keine gute
europäische Studie zeigt ein erhöhtes Krebsrisiko nach
Exposition in der Kindheit." Wie kommen die Autoren darauf? Was ist eigentlich eine "gute" Studie? Und der
Begriff "uneinheitlich" bedeutet nach allgemeiner Erkenntnis
nicht, dass es keine Aussage über ein erhöhtes Krebsrisko der
dargestellten Form gibt. "uneinheitlich" ist "uneinheitlich". Nicht
mehr und nicht weniger. Es kann schlicht auch bedeuten, dass eine
Studie ein höheres Krebsrisiko als eine andere postuliert. Von
"null Risiko" ist dort nichts zu lesen.
Ein
weiteres Beispiel:
...die
WHO/IARC-Aussage "Die anderen Studien konnten dies nicht
bestätigen." wird umgedeutet zu "Sie konnten sie es
nicht nur ‚nicht bestätigen’, sondern fanden
überwiegend verminderte Risiken" Auch das wird mit keinem
Wort erwähnt und ist völlig willkürlich als Setzung
angenommen.
oder...
Der Originaltext der WHO/IARC sagt aus "... und erlaubt nicht den Schluss, dass
Passivrauch in der Kindheit einen schützenden Effekt hat."
wird beim "Netzwerk Rauchen" zu " ... was bedeutet, dass aus der
ganzen Studie überhaupt keine Schlüsse auf irgendetwas
gezogen werden können!"
Jeder
Mensch, der zumindest Grundkenntnisse in Logik hat, wird erkennen, dass
hier extrem großzügig und natürlich auch völlig
falsch interpretiert wurde.
Apropos
Logik. Diese scheint wirklich nicht die Stärke der Autoren zu
sein. Verbindet man nun noch seine mangelnden logischen
Fähigkeiten mit Ignoranz wird es sehr peinlich. Der Text endet mit
dieser folgenden Stellungnahme:
"Da Lungenkrebs die mit Abstand am deutlichsten mit aktivem
Rauchen in Verbindung gebrachte Krankheit ist, während z.B. Herz-
und Koronarerkrankungen nur etwa 1/12 von dessen Risiko haben, gilt
diese Bewertung für alle anderen postulierten Gefahren durch
Passivrauch erst recht. "
Nun ist es allerdings allgemein bekannt, dass das Risiko als Raucher an einer
koronaren Verschlusskrankheit zu erkranken zwar tatsächlich ca.
1/12 des Lungenkrebsriskos darstellt (Risiko für Lungen-Ca. beim
Raucher um ungefähr den Faktor 40 gegenüber dem NR
erhöht, für Herzinfarkt um den Faktor 3), aber dass
natürlich die Inzidenz (also das Auftreten) eines Koronarinfarktes
in der Bevölkerung wesentlich höher ist als das des
Lungenkarzinoms wird dabei dezent unterschlagen. Mit anderen Worten:
Menschen sterben allgemein und grundsätzlich wesentlich
häufiger an Herzinfarkt als an Lungenkrebs, so dass die Anzahl der
dem Infarkt erliegenden Raucher absolut gesehen natürlich
wesentlich größer ist als die der Lungenkrebstoten in der
Gesamtbevölkerung.
Fazit
Das, was hier an angeblicher "Wissenschaftlichkeit" vorgelegt wird,
verfolgt also nur einen Zweck: Die Autoren setzen sich dafür ein,
weiterhin die Umwelt durch ihre giftigen, übel riechenden und
gesundheitsgefährdenden Gase verschmutzen zu dürfen. Dass man
dieses Ziel allerdings auf eine derart leicht durchschaubare und daher
eher peinliche Vorgehensweise verfolgt, muss nicht sein. Man beleidigt
dadurch u. a. die Intelligenz des Lesers.
Lassen wir anstatt dieser intellektuell doch sehr defizitär
vortragenden Laien"wissenschaftler" vom Qualmernetzwerk mal ein paar
"Profis" zu Worte kommen:
In einer
Metastudie haben diese (richtigen!) Wissenschaftler die Daten von einer
großen Anzahl existierender einzelner Studien zur Korrelation von
Passivrauchexpostion und dem Auftreten von Lungenkrebs bei Exponierten
herausgearbeitet. Das Ergbenis ist eindeutig:
" Conclusions: The abundance of evidence, consistency of finding
across continent and study type, dose-response relationship and
biological plausibility, overwhelmingly support the existence of a
causal relationship between passive smoking and lung cancer. "
Übersetzung: " Schlussfolgerungen: Die Fülle von Beweisen
und die Übereinstimmung der gefundenen Ergebnisse über alle
untersuchten Kontinente und Studienarten hinweg, über
Dosis-Wirkungsbeziehungen und biologische Plausibilität
stützt in überwältigender Weise einen Kausalzusammenhang
zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs. "
Dem ist nichts hinzuzufügen. Passivrauch erzeugt Lungenkrebs.
Punkt.
Peter Rachow (2010)