| von Peter Rachow http://www.novo-argumente.com/magazin.php/archiv/novo107_30/ Ich bin immer wieder verwundert über dieses erschreckende Maß an Irrationalität, Dummheit und Unvernunft, das aus Texten wie jenem hier gerade zu lesenden dieses Herrn Ropohl (siehe Link oben) spricht. Da werden großspurig absurdeste politische Thesen entwickelt, die angeblich darlegen sollen, bis zu welchem Grade von Repressivität und Entmündigung basierend auf einer angeblichen „Weltverschwörung der Gutmenschen“ unsere politischen und sozialen Systeme sich bis heute entwickelt haben sollen und wie stark doch unsere individuelle Freiheit in jüngster Zeit durch eine imaginäre Gruppe von „Tugendterroristen“ bedroht sei. Man kann es nicht anders nennen: Es ist Realsatire in Reinstform. Ich persönlich habe, ehrlich gesagt, selten so einen kompletten Schwachsinn gelesen. Die Autoren dieser textlichen Darlegungen wie Ropohl und seine Raucherkonsorten geben sich dabei aber auch alle erdenkliche Mühe uns, dem gemeinen Volk, klarzumachen, wie man uns denn manipuliere, uns die Macht aus der Hand nehme und uns durch schleichende und immer stärker werdende Einflussnahme zu unmündigen und unterwürfigen Mitläufern degradiere. Am Endpunkt unserer Entwicklung, so wollen Leute wie dieser Ropohl uns erklären, stehe dann der vollumfänglich ahnungslose Befehlsempfängern und willfährige Mitgänger, der nur noch die Befehle des Überstaates ausführen könne und vor allem wolle. Und diesen unmündigen Sozialkretin gelte es durch entschlossenes und kollektives Handeln zu verhindern. Dieser intellektuell hochevakuierte Bockmist hat schon etwas dezent Paranoides an sich. So wird dem Leser denn auch beständig ein zwar nicht schönes aber auf den ersten Blick durchaus stimmiges Bild an die Tafel gemalt, das so wunderbar zusammengeht mit den großen literarischen Antiutopien à la „1984“, „Brave New World“ oder „Fahrenheit 451“. Bei einer genaueren Betrachtung wird mir bei derartigen dümmlichen Textausflüssen jedoch immer ganz schnell klar, dass dieser ganze, überdies lediglich oberflächlich reflektierte, Unsinn nie in irgendeine Tastatur gehämmert worden wäre, wenn es den Autoren dieser Pamphlete nicht um etwas letztlich ganz Banales und Profanes ginge: Ihren eigenen Konsum der Droge „Tabak“, der nun seit einigen Jahren aufgrund einer sich veränderten gesellschaftlichen Bewertung des Rauchens zunehmend Restriktionen unterliegt. "Wir wollen rauchen und das unbeschränkt!", das ist das Credo dieser Hardcorenikotiniker, die wirklich vor keiner noch so dummen Behauptung zurückschrecken um weiter unbeschränkt immer und überall ihren Giftmix in die schwarzen Lungen ziehen zu können. Herr Ropohl, der sich in einem anderen seiner Pamphlete, einmal unvorsichtigerweise als Opfer eines ihm durch die allfälligen Rauchverbote aufgezwungenen „leidvollen Genussverzichtes“ bezeichnet hatte, betreibt seine immer noch hochpeinliche Selbstoffenbarung zwar heute differenzierter aber kaum verhüllter. Man darf somit mit Fug und Recht unterstellen, dass dieser Herr Ropohl niemals aufgestanden wäre und eines seiner ebenso langen wie überflüssigen Traktate über den Niedergang der freien Welt verfasst hätte, wenn er selbst nicht rein zufällig ein regelmäßiger und vor allem schwerstabhängiger Nutzer der Tabakdroge wäre. Und in dieser ethisch äußerst zweifelhaften Motivationslage des puren Egoismus gekoppelt mit strikter Negation der Interessen der Mitmenschen liegt die eigentliche Perfidie dieser ganzen selbst ernannten Warner vor dem Niedergang der Freiheit: Sie handeln ausschließlich aus zutiefst eigennützigen Motiven. Die Bewahrung der Freiheit ist für sie nicht das Hauptziel. Das, was sie letztlich intendieren ist ganz banal nur die Verwirklichung des Wunsches, man möge sie fortan beim Konsum ihrer Droge keinerlei Einschränkungen mehr unterwerfen. Weil dieses Ziel aber einem breiten und in aller Regel differenzierter denkenden Publikum in dieser banalen Einfachheit nicht zu vermitteln ist, wird eben der Umweg über die ewig wiederholte Warnung vor dem Menetekel gesucht. Der Teufel, der da beständig an die Wand gemalt wird, ist dabei nur das Vehikel, mit dem versucht wird, andere Menschen, die den Suchtstoff „Tabak“ nicht in regelmäßigen Abständen benötigen, auf die Seite derer zu ziehen, die an dieser stoffgebundenen Abhängigkeit leiden und sich aus ihr nicht lösen können oder wollen. Man braucht also Verbündete im verzweifelten Kampf für die vermeintlichen „Freiheitsrechte der Raucher“. Und die findet man in aller Regel nicht in den Reihen der Raucher selber. Denn die sind, wie man aus der Sozialforschung seit langem weiß, ungeschickterweise primär der falschen Sozialschicht zugehörig und intellektuell oft nicht mal ansatzweise in der Lage, den Kampf gegen den Nichtraucherschutz produktiv zu befördern. Also versuchen notorische Tabakdrogenkonsumenten wie Ropohl und seine Mitstreiter z. B. vom aggressiv agierenden "Netzwerk Rauchen" und anderer Organsiationen der Tabaksüchtigen mittels ihrer ewig gleich lautenden Thesen den Spagat zur gebildete(re)n Welt. Dort wollen sie dann Unterstützer für den eigenen aussichtslosen Kampf für die Raucher, deren vermeintlichen Rechte und das unbeschränkte Rauchen rekrutieren. Es ist ein ebenso billiges wie leicht zu durchschauendes Betreiben, das hier in doch erschreckender Banalität evident wird. Denn jenen Menschen, die nicht zu den Tabakdrogenkonsumenten gehören, dürfte nur sehr schwer vermittelbar sein, warum ausgerechnet sie sich im Kampf gegen Einschränkungen beim Tabakdrogengebrauch engagieren sollen, warum es also letztlich als etwas Erstrebenswertes gelten solle, sich für Lungenkrebs, Herzinfarkt und Frühtod in die Arena zu begeben und dort einen sowieso aussichtslosen und vor allem vollständig sinnlosen Kampf zu kämpfen. Dies alles geht nur, wenn man den nicht Nikotinsüchtigen damit droht, dass auch ihre Freiheit demnächst verloren wäre, wenn man die "Tugendwächter" schalten und walten ließe, wie diese es wollten. Nur interessiert es die vernünftigen Menschen und damit die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung letztlich gar nicht, was Ropohl und seine Mitstreiter an regelmäßigem Stuss in die Weiten des WorldWideWeb hinausfunken. Und genau darin liegt dann auch die wahre Tragik von den immer wieder auf der Bühne erscheinenden „Netzrauchern“ wie Ropohl & Co. Ihre im Internet veröffentlichten Traktate werden nur von einer immer gleichen und aus wenigen Personen bestehenden Minderheit beklatscht, die überwiegende Mehrheit wendet sich schweigend und mit gepflegten Gruseln ab. Denn wer, so fragt man sich unwillkürlich, ist eigentlich so dumm um sich für seinen frühen Tod an das Rednerpult zu begeben und dort sein vorgebliches Recht lautstark einzufordern? "Eine kleine Horrortruppe von Nikotinzombies auf dem direkten Weg unter die Erde", so lautet die einfache aber erschreckende Antwort. |